Motivation (aus der Drehvorlage).

Motivation (aus der Drehvorlage).

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Motivation (aus der Drehvorlage).

Aus der Drehvorlage des Projekts mit dem Arbeitstitel «Unstillbares Feuer», für den Film «Gute Tage».

Motivation

Persönliche Motivation als Ausgangspunkt.

Am Anfang des Projekts steht meine Sorge um mein lahmendes linkes Bein, um meine Zukunft als Filmer. Ermutigt durch den Besuch bei einer Malerin, die zunehmend gelähmt, weiterhin künstlerisch arbeitet, suche ich nach Bildenden Künstlern, die nach einem schweren körperlichen Einbruch einen Neuanfang wagen. Wie kommen sie mit Situationen zurecht, die auch auf mich zukommen könnten?

„Bildende Künstler“ / Bildhauer.

Weil es mir als Filmer wichtig ist, das was mich bewegt, dort zu erkunden, wo es sichtbar wird, wo das Gelingen und Scheitern in seiner ganzen Emotionalität in Filmbildern fassbar ist, begann ich nach weiteren „Bildenden Künstlern“ zu suchen, die zu neuen Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks fanden.

Bald wurde mir klar, dass keine der Bildenden Künste so direkt mit dem Körper verbunden ist, wie die Bildhauerei. Skulpturen entstehen aus dem ganzen Körper heraus, in dem sich all unsere Gewohnheiten und Erinnerungen sammeln. So hat es eine besonders grosse Bedeutung für sie, wenn ihre körperlichen Fähigkeiten plötzlich eingeschränkt werden. Ich fühle mich besonders stark mit diesen Menschen verbunden, weil es mir in in meiner Filmarbeit immer wichtiger geworden ist, dass mein Interesse, meine Nähe zu Menschen, zur Welt, in den Feinheiten der Kameraführung zum Ausdruck kommt.

Vertiefte Motivation aus den Begegnungen mit den Protagonisten.

Während des Jahres der Projektentwicklung, beim Zusammensein mit den Protagonisten kamen Erfahrungen dazu, die meinen Blick erweiterten, meine Motivation für die Realisierung des Films bereicherten.

Es gab keine Zweifel mehr, dass ein Neuanfang möglich ist. Bei all den langen Gesprächen und wenn ich ihnen beim Arbeiten zuschaute, wurde auf beeindruckende Weise deutlich, mit welch grossem Engagement sich Menschen auf Neues, auf Unbekanntes einlassen können, aber auch wie schwer es uns fällt, uns vom Selbstbild aus früheren Zeiten zu lösen.

Der Film, eine Ermutigung.

Das Miterleben, dass auch nach schlimmsten Katastrophen ein reiches Leben möglich ist, ermutigt mich, meine Existenzängste zu überwinden, den Gedanken zuzulassen, was wäre, wenn ich… was wäre, wenn wir den Gedanken zulassen würden, dass wir etwas verlieren könnten, das uns heute ein selbstverständlicher Eckpfeiler unserer Identität ist – sei es im Beruf, in einer Beziehung, durch einen Unfall, durch eine Krankheit, durch das Alter. Was wäre, wenn wir unserer Existenz auf eine andere, auf eine neue Weise einen Sinn geben müssten?

Dringlichkeit.

Niemand kann wissen, was im Jahr* der Dreharbeiten auf die Protagonisten zukommen wird. Sicher ist, dass es keine simplen Erfolgsstories sein werden. Nach ihrem Neuanfang erzählen die Filmbilder in aller Direktheit und Emotionalität vom Streben „die Mühen der Ebenen“ zu bewältigen, vom Gelingen und vom Scheitern. Man muss nicht selbst Künstler sein, damit man das mitempfinden kann – damit einen der unbeirrbare Wille berührt, der unter schwierigsten Bedingungen jedem Tag einen Sinn zu geben sucht.

Dass es glückliche Tage sind, wage ich nicht zu behaupten, doch sicher sind es Tage reichen Lebens.

Es ist sicher auch ein Teil meiner Motivation, das Publikum an solch intensiven Erlebnissen teilhaben zu lassen. Ich wäre nicht unglücklich, wenn Leute den Film auf die Thematik „Dringlichkeit“ reduzieren würden – die Dringlichkeit, die das Streben der Protagonisten ausstrahlt – die Dringlichkeit, die ich heute in vielen Lebensbereichen misse – die Dringlichkeit, die hoffentlich auch der Film als Ganzes ausstrahlen wird – die auch meine Arbeit, mein Engagement bestimmt.

Wie ernst es mir mit der Realisierung des Films ist, dürfte auch darin zum Ausdruck kommen, wie knapp das Budget gerechnet ist, wie tief die Ansätze meiner Honorare angesetzt sind.

*Aus dem vorgesehenen einen Jahr wurden dann drei Jahre.

Urs Graf

Notizen zur Filmästhetik



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