Filmfinanzierung: Projekt und Firma.

Filmfinanzierung: Projekt und Firma.

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Filmfinanzierung: Projekt und Firma.

Filmfinanzierung:
Präsentation des Projekts und des Filmkollektivs für mögliche Geldgeber.

Eingaben um eine finanzielle Unterstützung eines Filmprojekts werden schon seit einiger Zeit von Produktionsfirmen erwartet (Filmautoren/Regisseure sind deren Angestellte, für die entsprechenden Verträge vorgelegt werden müssen). Dazu kommt, dass mit einem staatlichen Förderbeitrag eine solch monumentale Bürokratie mit entsprechenden Formularen verbunden ist, dass dies nur noch von Fachleuten (nach einigen Rückfragen) zu bewältigen ist.

Also musste die Produktionsfirma Filmkollektiv Zürich AG Eingaben machen, die ich schrieb und mich dabei in dritter Person nannte.

Hier ein solcher Text, formuliert im Hinblick auf Fördergremien, die Filmprojekte an gesellschaftlicher Relevanz, an allgemeiner gesellschaftlicher Nützlichkeit messen, hoffend auf ein entsprechend grosses Publikum und damit sinnvoll investierten Fördergeldern.

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In den Eingaben um eine finanzielle Förderung des Filmprojekts wurden vom folgenden Text unterschiedliche Ausschnitte mit abgewandelten Formulierungen verwendet.

(Der Film «Gute Tage» hatte den Arbeitstitel «Unstillbares Feuer».)

Filmprojekt «Unstillbares Feuer».

Die Thematik.

Ein Film, der Menschen ermutigen kann, den beunruhigenden Gedanken zuzulassen, dass wir etwas verlieren könnten, das uns heute ein selbstverständlicher Eckpfeiler unserer Identität ist – sei es im Beruf, in einer Beziehung, durch einen Unfall, durch eine Krankheit, durch das Alter – und dass es möglich ist, unserer Existenz auf eine ganz andere, auf eine uns heute nicht vorstellbare Weise wieder einen Sinn zu geben.

Die Form der Darstellung.

Ein Film, der uns aus nächster Nähe das Leben nach einem massiven gesundheitlichen Einbruch miterleben lässt. Ein Film, der der Thematik dort nachgeht, wo sie in grösstmöglicher Dringlichkeit sichtbar wird, dort wo sich das Bemühen um einen Neuanfang, wo sich Gelingen und Scheitern in seiner ganzen Intensität in Filmbildern fassen lässt – im Leben von Künstlern, die erkrankten und die Arbeitsweise aufgeben mussten, die sie über Jahrzehnte entwickelt hatten.

Ein Film, der auf grösste Nähe setzt, der ganz auf das Miterleben, auf die Sinnlichkeit von Bildern vertraut. Eine zittrige Hand, die heute um einen schlichten Bleistiftstrich ringen muss, wird uns in ihrer Direktheit mehr berühren als viele Worte.

Die zentralen Personen des Films.

Dem Filmautor war es wichtig, das was ihn bewegt, dort zu erkunden, wo es sichtbar wird, wo das Schmerzliche und die schönen Momente des Gelingens in ihrer ganzen Emotionalität die Filmbilder prägen werden. So begann er nach „Bildenden Künstlern“ zu suchen, die nach einem körperlichen Einbruch gezwungen waren, andere Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks zu finden. Bald wurde ihm klar, dass keine der Bildenden Künste so direkt mit dem Körper verbunden ist, wie die Bildhauerei; Skulpturen entstehen aus dem ganzen Körper heraus, aus dem Körper, in dem sich unsere Gewohnheiten und Erinnerungen sammeln – zusammen mit all dem, was uns nie bewusst geworden ist. So ist es für Bildhauer von besonders grosser Bedeutung, wenn ihre körperlichen Fähigkeiten plötzlich eingeschränkt sind.

Es war aber auch klar, dass es Künstler mit einem ausgeprägt persönlichen Lebenswerk sein mussten, das so stark mit ihrer Identität (und ihrem gesellschaftlichen Ansehen) verbunden ist, dass das Leben nach einem Neuanfang, die Entwicklung neuer Formen des künstlerischen Ausdrucks ein grosses Wagnis ist.

Nach langer Suche fand der Filmautor fünf Personen, die bereit waren, ihn mit der Filmkamera an ihrem Leben und Schaffen teilhaben zu lassen: drei Künstler und zwei Künstlerinnen, die einen Neuanfang gewagt hatten und – wie sich bald zeigte – die immer wieder nach anderen Formen des künstlerischen Ausdrucks suchen mussten, die ihren weiter abnehmenden körperlichen Möglichkeiten entsprachen – immer wieder neue Versuche, jedem Tag durch ihr Schaffen eine Art Sinn zu geben, mit grösster Beharrlichkeit.

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Produktionsfirma.

Mögliche Geldgeber interessieren sich weniger für Autoren, als für Produktionsfirmen, die Jahr für Jahr einige Filme realisieren, deren Produktions-Kontinuität als verlässlicher Massstab gilt, ohne dass man die Filme kennt – Qualität ist nicht so wichtig, was zählt ist die Anzahl der Filme.

Mir steht die Firma Filmkollektiv Zürich AG nicht allzu fremd gegenüber, da ich schon seit längeren deren Verwaltungsrats-Präsident bin und als solcher die Verträge mit mir als Filmautor unterzeichnen kann. Also habe ich auch den Text zu dieser Firma verfasst:

Filmkollektiv Zürich AG.

1975 schlossen sich Filmschaffende zum Filmkollektiv Zürich zusammen, damit wir unter möglichst guten Bedingungen die Filme realisieren konnten, die uns wichtig waren. Eine Genossenschaft hätte unserem Selbstverständnis entsprochen, doch mussten wir als Koproduktionspartner der Fernsehanstalten von SRG und dem ZDF eine AG gründen, haben aber all die Jahre darauf geachtet, dass die Aktien unter den Mitgliedern gleichmässig verteilt sind.

In diesen 40 Jahren haben wir 80 Filme realisiert.

Mit unseren Filmen ist es uns immer wieder gelungen, gesellschaftliche Bereiche zu Themen zu machen, die der Auseinandersetzung wert sind. Und es ist uns gelungen, auch Themen zu denen die Meinungen gemacht sind, in einer Weise zu vertiefen, die einen frischen Blick darauf möglich machte. Oft konnten wir dabei auch Menschen eine Stimme geben, die sonst in unserer Gesellschaft kaum wahrgenommen werden.

Auch wenn die Themen rund um unser Zusammenleben noch so sehr im Vordergrund stehen, ist uns wichtig, dass die Filme nicht darauf angelegt sind, jemanden von einer Meinung zu überzeugen.

Argumentierende Filme sind uns fremd. Wir vertrauen darauf, dass das Publikum angesichts der von uns geschaffenen Bilder und Töne erfährt, dass sich ein intensives Hinschauen und Hinhören lohnt. Über eine solch intensive Hinwendung, über das Miterleben, über dieses Berührtsein, kann es zu einem vertieften Verständnis der Zuschauer kommen.

So wie unsere Filme beschaffen sind, sollte es nicht dabei bleiben, dass jemand nach einer Kinovorführung empfindet, jetzt habe er etwas Interessantes über irgendwelche Andere erfahren. Die Filme müssen etwas leisten, das über das vordergründige Thema hinausführt, sollen eine Tiefe erreichen, die die Leute im Kino empfinden lässt, dass das, was sie auf der Leinwand sehen, auch mit ihnen, mit ihrem eigenen Leben zu tun hat.

Dies gelingt sicher nicht immer, doch es ist der Anspruch, den wir an unsere Arbeit stellen.

Urs Graf

Notizen zur Filmästhetik



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