ETH, Einführung, Gestaltung und Technik.

ETH, Einführung, Gestaltung und Technik.

▲ Zum Seitenanfang


ETH, Einführung, Gestaltung und Technik.

ETH: «Von der Praxis zur Theorie des Films.

Einführung, Gestaltung und Technik.

ETH, Abteilung XII, Geistes- und Sozialwissenschaften.

Filmkurs, ausgeschrieben «Suche nach eigenen Bildern, Suche nach eigenen Tönen».

Lehrbeauftragte Marlies Graf und Urs Graf. Texte von Urs Graf.

TeilnehmerInnen von ETH, UNI und Aussenstehende.

Kurse jeweils im Sommersemester (1980-2005).

Konzept des Kurses:

Von der Praxis zur Theorie –
vom eigenen praktischen Filmschaffen
zu Erkenntnissen der Filmästhetik.

Praktische Arbeit mit S-8-Film in Kleingruppen zwischen den sechs Kursabenden. Von einfachsten Aufgaben (eine einzelne Einstellung ohne Ton) bis zu einem kleinen Kurzfilm.

Erkenntnisse aus der Praxis: An den Kursabenden Projektion der Filme, Gespräche im Plenum, die Wirkung der Filme, die Mittel der Gestaltung. Gestaltung vor der Kamera, mit der Kamera? Reflektieren der technischen Mittel der Darstellung, Filmästhetik (später auch Einbezug des Tons).

Die technischen Mittel der Gestaltung
am zweiten Kursabend gemeinsam zusammengetragen.

Man trifft auch eine gestalterische Wahl, wenn man glaubt, keine Wahl getroffen zu haben. Bild-Wirkung ergeben sich aus den technischen Einstellungen, die an der Kamera eingestellt sind.

Was vor der Kamera zu sehen ist.

Umgebungen, Dinge, Menschen Handlungen. Und die Art der Beleuchtung: Tageslicht, Kunstlicht, betont farbiges Licht. Oder sogar Verfremdungen der Realität, von Objekten zB angemalt. Masken, Kostüme usw.

Wo ist die Kamera?

Perspektive zum Objekt ( zB frontal).

Distanz von der Kamera zum Objekt.

Stativ oder mit Handkamera.

Kamerahöhe, (zB Augenhöhe).

Bewegungen der Kamera an Ort.

Handkamera oder auf Stativ: Bewegungen der Kamera um die eigene Achse - Schwenk seitwärts, nach oben, nach unten.

Und die Art des Schwenks – von A nach B (langsamer Panoramaschwenk - oder heftiger Reissschwenk) oder ein Schwenk der einem Objekt, einem Menschen folgt.

Bewegungen der Kamera im Raum.

Fortbewegungen nach vorne oder hinten, nach oben oder unten, zu Fuss oder mit einem Fahrzeug.

Was wird an der Kamera eingestellt.

Objektiv: kurzer Brennweite (Tendenz zu Weitwinkel), lange Brennweite (Tendenz zu Teleobjektiv).

Cadrage, ein sog. Bildausschnitt.

Aus der Kombination von Distanz und Brennweite entstehen die Bildausschnitte: Detail-Aufnahme, z.B. Bleistift. Grossaufnahme, z.B. Gesicht. Nah. Halbnah (bis Taille). Amerikanische (stehender Mensch bis zu den Knien). Halbnahe (stehender Mensch). Halbtotale (Ort der Handlung). Totale (Überblick eines Ortes).

Zoom.

Veränderung der Brennweite während der Aufnahme, nach vorn oder zurück, d.h. Veränderung des Bildausschnitts während der Aufnahme.

Blende.

Die Blendenwahl am Objektiv ergibt die Belichtung – üblicherweise ein Anpassen der Kamera an das vorhandene Licht. (Ergibt auch mehr oder weniger Schärfentiefe. Je kleiner die Blende, desto grösser der Schärfenbereich. Voraussetzung dafür ist allerdings mehr Licht, zusätzliche Beleuchtung.)

Unterbelichtung oder Überbelichtung können auch Mittel der Gestaltung sein, können zum Herstellen von besonders dunklen oder besonders hellen Bildern eingesetzt werden.

Distanz-Einstellung

Einstellung am Objektiv, Wahl des Schärfe-Punkts: In welcher Distanz soll die zentrale Schärfe liegen.

Tageslicht oder Kunstlicht-Einstellung.

Mit einem Schalter an der Kamera kann ein Filter ein- oder ausgeschaltet werden – Tageslicht oder Kunstlicht entsprechend den Lichtverhältnissen. Oder durch die gegenteilige Wahl können entsprechende Farbeffekt erzielt werden.

Zusatz-Linsen oder Folien.

Besondere Farbeffekte oder andere Effekte, z.B. Weichzeichner.

Laufgeschwindigkeit (Norm).

Der S-8-Film wird mit 24 Bildern in der Sekunde projiziert. Damit bei der Projektion der Effekt einer kontinuierlichen Bewegung entsteht, sind mindestens 16 Bilder pro Sekunde notwendig.

Am Rand des Films ist eine Tonspur (aufgeklebte Magnetspur). Wenn der Ton eine befriedigende Qualität haben soll, ist eine Laufgeschwindigkeit von 1/24 B/Sek, notwendig.

Laufgeschwindigkeit (Zeitlupe, Zeitraffer).

Der Film wird mit 24 Bildern pro Sekunde projiziert. Wenn weniger Bilder pro Sekunde aufgenommen werden, entsteht bei der Projektion eine Zeitraffer-Wirkung, wenn mehr Bilder aufgenommen werden, eine Zeitlupen-Wirkung.

Da sich die Aufnahmegeschwindigkeiten bei S-8-Kameras nur minim verändern lassen, ergeben sich bei der Projektion nur minime Effekte. Wer an einer Verfremdung einer Situation interessiert ist, muss bedenken, dass eine solch bescheidene Verlangsamung fast nicht auffallen wird; die Menschen gehen einfach etwas langsamer. Als Zeitlupen-Verfremdung wirken vor allem Aufnahmen, in denen die Schwerkraft mitspielt, Sprünge, Bälle.

Vorsicht: Wenn man eine Zeitraffer-Aufnahme von einer gewissen Dauer in einem Film haben möchte, muss daran gedacht werden, dass die Aufnahmezeit zB drei Mal so lang sein muss. Sich nicht auf das Gefühl bei der Aufnahme verlassen, sondern rechnen.

Es gibt die Möglichkeit, in selbst gewähltem zeitlichen Abstand Einzelbilder aufzunehmen (zB alle 2 Sekunden oder alle Minuten) und so einen starken Zeitraffer-Effekt zu erzeugen – nicht nur Bewegungen, sondern auch sich veränderndes Licht in einer Landschaft, Bewegungen von Wolken usw.

Einzelbild-Aufnahmen auch für Animationsfilme, bei denen der Eindruck von Bewegung aus den Unterschieden zwischen den einzelnen Aufnahmen entsteht. Zeichentrickfilme, Plastilinfilme, Puppentrickfilme, aber auch Bild-für-Bild-Veränderungen in der Realität – Veränderung eines Objekts (bei Aussenaufnahmen kann eventuell der Lichtwechsel zwischen den Aufnahmen so stark sein (Wolken), dass ein heftiges Flackern den gewollten Trick-Effekt stört).

Montage, Schnitt.

Schnitt direkt bei der Aufnahme (bei unseren ersten Aufnahmen).

Für unsere zweite Übung: Zwei Einstellungen in der Kamera nacheinander aufgenommen, ergeben die Wirkung eines Schnitts.

Bei der dritten Übung werden wir mehrere Einstellungen im Nachhinein schneiden und aneinander kleben, um den Moment des Schnitts bewusster setzen zu können.

Ein Schnitt ist – unabhängig von allen möglichen Bedeutungen, die ihm im Film zukommen können – in erster Linie ein Bruch in der Zeit. Ein Schnitt kann unterschiedliche Aufnahmen miteinander in Verbindung bringen, sodass ein Drittes daraus entsteht.

Zwei filmische Erzählkonventionen:

Schnitte können den Ablauf einer Handlung verkürzen/raffen, und dies auf eine Weise, die diese Art des 'Erzählens' offen darstellt. (Zeit-Ausschnitte: Er liegt im Bett, er frühstückt, er geht aus dem Haus, sitzt im Tram. Niemand stört sich daran, dass nicht gezeigt wird, dass er von einem Zimmer in das andere wechselt, die Treppe hinunter geht usw.)

*     *     *

Schnitte können eine Szene aus verschiedenen Winkeln und unterschiedlicher Nähe erleben lassen. Und dies auf eine Weise, in der die Schnitte möglichst wenig auffallen. (Ein Wohnzimmer, er setzt sich an den Tisch. Im Moment des Hinsetzens ein Schnitt zu einer Nahaufnahme, er nimmt die Zeitung auf. Im Moment des Zeitungsaufnehmens ein Schnitt zu einer Grossaufnahme seines Gesichts, er betrachtet etwas in Zeitung. Im Moment seiner Aufmerksamkeit für die Zeitung ein Schnitt. Wir sehen das Bild, das er in der Zeitung betrachtet.)

Solche Montage, sogenannte Bewegungsschnitte gehen davon aus, dass die Bewegungen der Person im Bild die Zuschauer mehr fesseln, als die Bildschnitte (die möglichst unauffällig in diesen Bewegungen platziert sind).

Schwarz zwischen zwei Einstellungen.

Man kann daran interessiert sein, dass zwei Aufnahmen nicht durch einen direkten Schnitt miteinander in Verbindung gebracht werden. So gibt es auch die Möglichkeit, etwas Schwarzfilm zwischen die Einstellungen zu montieren. Etwas feiner wäre eine Ausblendung ins Schwarz und dann eine Aufblendung aus dem Schwarz – wir nehmen Distanz zur einer Situation (zu einer Zeit, die weiter laufen wird), während wir uns anderem zuwenden (das schon andauerte).

Überblendung.

Mit S-8-Kameras lassen sich während den Aufnahmen Überblendungen machen. Wenn die Funktion 'Überblendung' angewählt wurde und man eine Aufnahme macht, entsteht beim Ausschalten eine Abblendung ins Schwarz. Danach läuft die Kamera automatisch wieder an den Punkt zurück, an dem die Abblendung begann. Die nächste Aufnahme wird von diesem Punkt an automatisch mit einer Aufblendung beginnen.

So entsteht eine Überblendung von Aufnahme 1 in Aufnahme 2.

Im professionellen Filmschaffen (16mm- und 35mm-Film) werden die Filmnegative abwechslungsweise in zwei Bänder montiert. Wenn nun eine Überblendung erwünscht ist, werden die beiden Einstellungen in der geforderten Überlänge montiert. Beim Kopieren wird nun Aufnahme 1 abgeblendet und im gleichen Zeitraum Aufnahme 2 aufgeblendet – eine Überblendung auf der Filmkopie.

Eine Überblendung kann verschiedenste Bedeutungen haben. Verbunden damit sind aber immer Sprünge in der Zeit. Eine Überblendung der Aufnahme einer realen Situation bedeutet, dass wir uns aus dieser Situation zurückziehen (die sich weiter entwickeln wird) und uns auf eine andere Situation einlassen (von der wir wissen, dass sie schon Realität war, bevor wir hingeschaut haben). Das heisst, dass sich während einer Überblendung zwei Zeiten überlagern.

Konventionelle Bedeutungen: Einige Zeit später. Oder Einige Zeit früher, z.B. die Erinnerung einer Person im Bild.

Aufblendung aus dem Schwarz /Abblendung ins Schwarz.

Aufblendung: Langsames Einsteigen in eine filmische Darstellung.

Abblendung: Langsames Aussteigen aus einer filmischen Darstellung.

Wie bei den Überblendungen kann man auch hier sagen, dass man sich auf eine Realität einlässt, die vorher schon andauerte (Aufblendung) oder dass man einer Szene nicht mehr länger zuschaut, die weiter andauert (Abblendung).

Urs Graf

Notizen zur Filmästhetik



Diese Website ist nicht für die Darstellung auf kleinen Bildschirmen eingerichtet. Lesen Sie sie bitte mit einem Laptop- oder Desktop-Bildschirm!