Audiovisuelle Medien (2).

Audiovisuelle Medien (2).

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Audiovisuelle Medien (2).

Audiovisuelle Medien (2).

Wer Film nicht als Kunstform sondern als Medium betrachtet, wird dieses als Transportmittel benutzen, mit dem sogenannte Inhalte zum Publikum spediert werden.

Medien, Themen.

Aus der Sicht der Macher nicht der Rede wert – nur für den täglichen Konsum, Wegwerfartikel. Trotzdem könnte es sich lohnen, einige Details dieser audiovisuellen Masse von Veröffentlichungen etwas genauer anzusehen.

Themen-Filme, Kino.

Wer einen Film machen will, um ein möglichst grosses Publikum zu erreichen, richtet sich am besten nach den Themen, die zur Zeit in den Medien dominieren oder (noch besser), nach den Themen, die zu erwarten sind, wenn der Film fertiggestellt ist.

Wer solche Risiken vermeiden will, setzt in unserem kleinen Land am besten auf sicher kommende Themen, wie einen runden Geburtstag einer verstorbenen nationalen Prominenz. Die Medien werden nicht darüber hinweggehen. Und wenn dann doch zu wenig Artikel, Bücher usw. erscheinen sollten, kann der Filmverleih selbst noch Interessantes, Privates, Kontroverses zur Person ins Gespräch bringen. Für öffentliche Diskussionen lassen sich immer Leute finden, die sich gerne auf einem Podium zu ihrem Fachgebiet verbreiten – Fragen der filmischen Darstellung werden von der Moderation natürlich ausgeklammert – und es wäre ja auch niemand da, der sich kompetent dazu äussern könnte – was aber auch nicht stört, weil das Publikum ja auch nur wegen des sogenannten Inhalts da ist.

Gespräch mit einem Filmautor an den Solothurner Filmtagen. Stimme aus dem Publikum:

«Also ich möchte doch ein generelles Unbehagen über die Art und Weise äussern, wie hier über Filme diskutiert wird. Ich war jetzt die letzten drei Tage hier an den Diskussionen. Da wird immer wieder von der Form gesprochen, warum was wie gezeigt wird und auch jetzt, in dieser Diskussion hier – wie der Film montiert ist – das ist doch eine Sache, die ziemlich weit hinten kommen müsste. Als erstes interessiert mich doch der Inhalt des Films – nicht warum Farbe und dann Schwarz-Weiss der Bilder...»

Prominenz (Wichtigkeit des Inhalts, Wichtigkeit einer Person).

Filme kommen nach und nach zu einer Form, zur ihrem Thema.

Aus der Arbeit an der Thematik entsteht die filmische Form. Aus der Arbeit an der Form des Films entsteht dessen Thematik.

Diese Thematk ist ohne den Film (all seinen Aspekten, deren Beziehungen, seinem Aufbau) nicht zu denken.

Medien hingegen haben ein Thema, das auch schon vor der Realisierung des Films besteht, das klar in Worten gefasst werden kann. Medien sind Transportmittel für etwas, das gegeben ist, das jetzt nur noch in möglichst eindrücklicher Form zum Publikum transportiert werden muss.

Finanzielle Förderung eines Films: Für Experten-Gremien eine unsichere Sache, da man nicht recht weiss, wohin das führen wird.

Finanzielle Förderung eines Audiovisuellen Mediums: Eine relativ sichere Sache, da bekannt ist, was da zur Darstellung kommen soll – eine sogenannte 'Verfilmung' (wie die Kinoeintritte zeigen, ist die Qualität der Darstellung relativ nebensächlich).

Kunst ist Kunst und alles andere ist alles andere. (Ad Reinhardt)

Einerseits Filme und andrerseits der ganze Rest an Audiovisuellem in Kino und am Fernsehen.

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Viele Spiel- und Dokumentarfilme haben ein Sujet, das bei Förderkommissionen und Publikum Beachtung findet – wichtige Filme, weil das Abgebildete als wichtig bekannt ist, als wichtig geschildert wird. Um die Form des Films brauchen sich die Realisatoren (und die Fördergremien) nicht allzuviele Gedanken zu machen, das wichtige Thema, die wichtige Persönlichkeit soll nur möglichst eindrücklich zur Darstellung kommen – die Bedeutung liegt ja im Dargestellten.

Von Vorteil ist, wenn die Person nicht mehr lebt. Dadurch ist sie meist noch etwas prominenter geworden; auch wird sie bei der Realisierung ihrer Verfilmung nicht dreinreden. Über vorhandene Texte kann eher frei verfügt werden. Und für Verwandte, Freunde und hinzugezogene Fachleute ist es einfacher, sich im Film zu äussern. Und für den Filmautor ist die Arbeit auch einfacher, weil kaum jemand  eine kritische Auseinandersetzung mit einem Toten erwartet.

Die Gattung ist krisensicher, weil Fördergremien bei der Porträtierung von Prominenten keine Risiken eingehen müssen, die Fernsehredaktoren keinen Mut brauchen und die Produzenten, Verleiher, Kinobesitzer mit einem einigermassen sicheren Publikumsinteresse rechnen können.

Schwieriger ist es mit noch lebenden Prominenten (da all die genannten Vorteile wegfallen). Wenn Prominenz die Wahl bestimmt hat, besteht das Risiko, dass sich der Filmer distanzlos bewundernd in den Dienst der Person stellt – ohne einen solchen Vorsatz und ohne Erwartungsdruck, doch meistens ergibt es sich halt dann so.

*     *     *

Die Frage stellte sich mir noch nie, doch scheint mir, dass ich eine Filmarbeit über eine verstorbene Person als eine Art von Übergriff erleben würde, ein Machtverhältnis – ein Film über jemanden, der in keiner Form Einfluss auf die Darstellung nehmen kann.

(Wie ich auch Hemmungen hätte, jemanden mit versteckter Kamera aufzunehmen.)

Als ihr Grossvater starb, war eine seiner Enkelinnen im Ausland. Sie würde ihn nicht mehr sehen. Also bat sie mich, noch eine Fotografie ihres toten Grossvaters zu machen, dem ich auch nahe stand. Ich war allein im Spital-Zimmer, in dem er aufgebahrt war. Nur weil ich wusste, wie wichtig ihr diese Fotografie war, habe ich mich zum Fotografieren überwunden. Jemand vor der Kamera, der nicht darauf reagieren kann. Jede Aufnahme ein Übergriff. Ich habe mich bei ihm entschuldigt, dass ich ihm so nahe kam, dass er darauf reagiert hätte, lachend, verlegen abwehrend?

Es gibt kaum Filme über Personen, die nicht auf irgend eine Weise prominent geworden sind. Und wenn sich doch ein Filmautor für sie interessieren sollte, würde sich der Film kaum finanzieren lassen. Dies vor allem mit dem Argument, das aufgewendete Geld stände in einem Missverhältnis zum kleinen Publikum, das der Film erreichen würde. (Vorstellungen von einem wunderbaren Film, der entstehen könnte, gibt es in solchen Zusammenhängen nicht.)

Und vermutlich würden sich wirklich wenige Leute den Film ansehen. Wer ist schon an Seinesgleichen interessiert? Es zählen nur Personen, die auf irgendeinem Gebiet die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen haben. Und für die Medien interessiert man sich, wenn dort Personen zu sehen sind, die man aus den Medien kennt.

Nicht-Prominente in Filmen.

Es gibt Filme, in denen Nicht-Prominente vorkommen. Nur gilt das Interesse nicht ihnen, sondern einem Thema, zu dessen Darstellung sie sich besonders gut eignen. Wenn sie die Drehvorlage zu lesen bekämen, die sich an potentielle Förderstellen und Fernsehredaktoren richtet (wovon man nicht ausgehen kann), würde ihnen klar, dass es nicht um sie, sondern um ein Thema geht. Nur wenn eine Krankheit das Besondere an ihnen ist, machen sie sich keine Illusionen über das Interesse an ihrer Person. (Oder wäre es möglich, dass ihr besonderer Umgang mit der Krankheit, mit einer Behinderung von besonderem Interesse sein könnte?)

Oft sind die Themenfilme so differenziert, dass sie mehrere Personen benötigen, um verschiedene Ausprägungen einer Thematik darzustellen (Unterschiedliche Formen der Landwirtschaft. Unterschiedliche Ausrichtungen der Biolandwirtschaft. Jüngere und Ältere in einem Kloster. Leute verschiedenster Herkunft in einem Pflegeheim. Verschiedene Arten einer Krankheit, verschiedene Therapieformen.)

Ich tue mir Filme nicht an, in denen die Personen vor der Kamera nur gebraucht/missbraucht werden, um verschiedene Aspekte einer Thematik darzustellen – Themenfilme eben.

Die Menschen, die als Darsteller für einen solchen Film angefragt werden, kennen natürlich diese Art von Filmen. Und doch können sie sich nicht vorstellen, dass jemand mit ihnen Filmaufnahmen macht, ohne sich für sie zu interessieren. Während der halben Stunde der Filmaufnahmen und in der Viertelstunde der Einstimmung davor, werden sie vielleicht sogar Gefühle eines solchen Interesses empfinden.

Themenfilme.

Städte, Länder, Seen, Flüsse, Bräuche, Speisen in verschiedenen Ländern. Rein kommerzielle Unternehmungen von Produktionsfirmen. Wenn ein Thema von möglichen Abnehmern nicht erwünscht ist, nimmt man halt ein anderes aus der Schublade. Filme die nur produziert werden, weil Fernseh-Anstalten solche Ware einkaufen und weil es einen Teil des Publikums gibt, das sich solche Filme anschaut.

Serien zu Themen.

Der Aufwand für solche Filme lohnt sich nur, wenn man gleich eine Serie zu einem Thema produziert, die man als Ganzes den Fernsehanstalten anbieten kann.

Weder beim Produzenten noch beim Realisator besteht ein Interesse für einen einzelnen Film. Er ist nur ein Teil einer Serie – von einer Dreipersonen-Equipe anhand einer Liste verfilmt, bereichert um ein paar Details, die den Filmern in den wenigen Drehtagen zufälligerweise über den Weg laufen. Oft werden die Realisatoren der Filme nicht genannt, sie sind so unwichtig wie die verwendete Musik, die im Hintergrund ein und ausgeblendet wird.

Alles, die Art der Bilder, die Montage der Filme hält sich in unauffälligem Mittelmass, kein Film verlangt eine besondere Form der Zuwendung, sodass die Zuschauer leicht von einem Film zu einer anderen Filmserie, zu einem anderen Fernsehsender wechseln können.

'Origineller Film' – aufgepfropfte Attraktivität, oberflächlicher Schein. Besonders ärgerlich, wenn an Jugendfilm-Wettbewerben besondere Originalität ausgezeichnet wird, oder Ideen.

Originalität.

Die angestellten Film-Realisatoren bemühen sich, die verlangten Themen des Ortes abzuhaken. Die Bildgestaltung überlassen sie meist ganz den Kameraleuten. Eine besondere Vertiefung von Themen wird in den Bildern nicht zum Ausdruck kommen, denn die Kameraleute haben den Text der Drehvorlage gar nicht zu sehen bekommen (was auch keinen besonderen Sinn gehabt hätte, da sie nächste Woche ohnehin am nächsten Ort sind). Also bemühen sie sich um Originalität. Eine besondere Lichtstimmung. Ein ungewöhnlicher Blickwinkel. Ein interessant angeschnittener Vordergrund. Auch mal ein Schwenk, der sich nicht aus einer Handlung ergab. Ein unmotiviertes Zoom, weil ein  Bild zu langweilig geworden wäre. Und dazu natürlich die von ihm erwarteten Details zur allgemeinen Ausschmückung oder als Zwischenschnitt-Material: Blumen auf Fensterbrett, Vogelschwarm, Hund vor einer Türe – das Übliche. Sollte der Cutterin eine Aufnahme für einen Zwischenschnitt fehlen, wird sie sicher etwas Passendes im Material eines andern Films der Serie finden.

Wenn der Kameramann Film für Film seine Originalität bewiesen hat, wird er für die nächste Serie wieder engagiert. Vor allem wenn die paar Stichproben den Fernseheinkäufer überzeugt haben.

(Der Kommentartext liegt der TV-Redaktion schriftlich vor. Bilder machen kaum Probleme, doch über Worte kann man streiten, sie könnten beanstandet werden, könnten juristische Probleme ergeben.)

Originalität (noch mehr).

Den Kameraleuten stehen nur wenige Möglichkeiten zur Verfügung, um dem Film eine besondere Attraktivität zu verleihen. Sie sind froh, dass ihnen nun Drohnen zur Verfügung stehen. Also jetzt auch das Dorf von oben. Ein Flug über Äcker. Weinberge. Einem Traktor folgend. Blick in die engen Gassen hinunter. Eine Treppe hinauf zum Kirchenportal. Sogar eine Annäherung an Stelle eines Zooms.

Schwerkraft, Materie, Sinnlichkeit.

Die in solchen Serien üblich gewordenen Aufnahmen mit Drohnen sind auch ein Verlust. Allzu leicht bewegen sie sich (bewegen wir uns) vom Dorfplatz zum Fischerhafen. Vom Rathaus zum Friedhof, zum Gewimmel auf dem Markt. Blicken wir auf Spielzeugdorf? Man ist erstaunt, plötzlich den Lehrer in Nahaufnahme vor sich zu haben, eine seltsam reale Person, die etwas über das Dorf zu sagen weiss.

Etwas vom Materiellen des Ortes ist verloren gegangen. Die Treppen, die Häuser wurden aus wirklichen Steinen gebaut. Doch nun entsteht der Eindruck, die Ortschaften seien auf der Landkarte oder aus Satelliten-Aufnahmen ausgewählt worden. Eine Region, ein Tal, eine Küstenregion. Dann ein Ausschnitt, eine digitale Vergrösserung des Dorfes. Keine Ahnung vom beschwerlichen Weg, den man bewältigen muss. Keine Vorstellung von einem Besucher, der durch die engen Gassen geht und mit einer fremden Welt konfrontiert ist. Leichter Zugang zu diesem Leben, auch entsprechend leichtfertig wirkender Eindruck der Montage. Kein Gefühl für den Widerstand der Materie, der Schwerkraft, kein Gefühl für Pflastersteine, für das Treppensteigen.

In solch einem Film ist man nicht erstaunt, wenn zwischendurch zwanzig Sekunden eines Marktes in einem Städtchen in 30 Kilometern Entfernung zu sehen sind, wo der Bauer seine Früchte anbietet. Distanzen werden nicht als Widerstand gedacht, keine Zeit, die mit dem beschwerlichen Weg verbunden ist.

Jeder Schnitt vom Einen zum Andern ist möglich. Fremd der Gedanke, dass bei der Montage des Films auch die Materie, die Schwerkraft mitgedacht werden könnte.

Videokurs: Im Film eines Teilnehmers eine Aufnahme einer Eisenbahnbrücke über die Aare. Ein Schnitt. Danach ein Ausschnitt der Brücke von anderen Ufer aus.

Lange unterhielten uns über diesen Schnitt, über Prinzipielles der Filmmontage – Gründe für, Gründe gegen den Schnitt, gegen eine solche Bildfolge? Sollte der Film etwas von der Möglichkeit menschlichen Erlebens empfinden lassen – Sinnlichkeit, ein Gefühl für Materie (auch wenn kein erlebendes Ich im Film vorkommt)? Sollte er nicht auch ein Gefühl vom Überwinden von Distanzen, von wirklichen Hindernissen fühlen lassen?

Innerhalb einer Sequenz sollte ein Schnitt nicht allzu leicht das Eine mit dem Anderen verbinden. Das Überspringen des breiten Flusses sollte man sich und dem Publikum nicht allzu leicht machen. Wie ist man an das andere Ufer der Aare gelangt? Der Film sollte auch etwas von unserem Gefühl des Lebens auf der Erde fühlen lassen.

Damals waren Aufnahmen mit Drohnen noch kein Thema, doch heute würde ich sagen, dass man in einem Film nicht allzu sorglos den Boden verlassen sollte. Die Empfindung der Schwerkraft sollte auch in der filmischen Darstellung erhalten bleiben. Sinnlichkeit hat mit Materie zu tun. Das Materielle des Abgebildeten, doch auch die materielle Welt des Filmers, der Kamera.

Serien zu Themen: Tiere, Tiere, Tiere.

Serien nach Gattungen, nach Regionen, nach der Art der Landschaften (Steppe, Wüste, Arktis usw.)

«Die Wüste lebt» (1953) ein höchst erfolgreicher Kinofilm, Disney-Produktion.

Eine Folge von Episoden, in denen die Form der Montage und der Kommentar, eine Folge von Geschichten zu machen suchen.

Solche Erzähl-Fiktionen sind auch heute noch häufig, was (mich) nicht stören würde, wenn darin nicht so viele Fakes wären:

Bild-Montagen vermitteln Blick- und Bewegungsbeziehungen so überzeugend, dass die Unstimmigkeiten zwischen den beiden sich folgenden Bilder leicht übersehen werden.

In Filmkursen konnte ich mit den Teilnehmern an solchen Filme beobachten, was die simpelste Montage bewirken kann, wie Blicke und Bewegungen über einen Schnitt hinweg wirken, Beziehungen schaffen. Dabei stellten wir auch fest, wie leicht wir Unstimmigkeiten übersehen, wie leicht Disparates miteinander in Verbindung gebracht werden kann – ein fiktiver Eindruck eines Ortes, von zeitlicher Kontinuität – zusätzlich zusammengehalten durch eine erzählende Kommentarstimme.

Als wir den Ton (den Kommentar) ausschalteten, wurde die Einheit des Geschehens weniger überzeugend. Und als wir die beiden Filmbilder (vor und nach dem Schnitt) genauer betrachteten, wurde oft deutlich, wie fremd sich diese waren – nicht übereinstimmende Vegetation und sogar Schlagschatten, die auf die andere Seite fallen.

Es wäre ja nicht tragisch, wenn eine mögliche Geschichte einer Gazelle und eines Löwen erzählt wird, wenn dies nicht anhand von Bildern geschehen würde, die nur durch die Montage und den Kommentar zu Teilen dieser Handlung gemacht werden, sodass die Zuschauer zu sehen meinen, was ihnen erzählt wird. Das Publikum wird daran gewöhnt, sich auf eine Weise unterhalten zu lassen, die nur funktioniert, weil es nicht aufmerksam hinschaut – Aufmerksamkeit wird den Zuschauern ausgetrieben – sie lernen, alle Unstimmigkeiten zu übersehen, um der Erzählung, um der Stimme zu folgen.

Beispiel aus unserem Filmkurs: Blick des Löwen nach rechts. Gazelle schaut zu ihm nach links und sucht zu fliehen. Nur stimmen die Schlagschatten nicht überein. Zwei Situationen, die wohl in der Realität nichts miteinander zu tun hatten. Vielleicht musste ein Bild auch seitenverkehrt kopiert werden, damit sich Blick und Handlungsbeziehungen ergaben*. Der Löwe und die Gazelle sind nie miteinander im Bild. So endet die Geschichte auch. Die Erzählstimme sagt, es sei für die Gazellen noch mal gut ausgegangen. Und Wechsel zur nächsten spannenden, kleinen Geschichte.

(* Wir blieben unsicher, ob das Bild seitenverkehrt kopiert war, damit sich eine Blickverbindung ergab. Mit Tier-Bildern kann man das ja machen, weil wir Fakes nicht an den Konventionen unserer Kultur erkennen – Armbanduhr links – Tiere tragen keine Jacken, die bei Männchen und Weibchen unterschiedlich geknüpft wären.)

Wir waren uns auch nicht sicher, ob in dieser Geschichte immer dieselbe Gazelle im Bild war. Jedenfalls stellten wir fest, dass wir diese Jungtiere eigentlich nicht auseinander zu halten vermochten. (Ein Teilnehmer erinnerte sich, einen Film über das erste Jahr eines Wolfs gesehen zu haben. Die Erzählstimme habe dem kleinen Wolf sogar einen Namen gegeben. So habe er das Tier natürlich auch nicht genauer angeschaut.)

Urs Graf

Notizen zur Filmästhetik



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